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Jaddi
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Dabei seit: 25.05.2010
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Zwei Tage im Leben des MisterDee Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       IP Information Zum Anfang der Seite springen

Zwei Tage im Leben des MisterDee

(Enthält: Ein kleines Gedicht, für den merkbefreiten Wicht)

"Hol' dir deine Milch doch selber", MisterDee (18, dürr, bleich, schwarze Haare. Deutschpole.) knallte die Wohnungstür hinter sich zu. Für seine Mutter einkaufen gehen? Die hatte doch selbst zwei Beine. Außerdem war er viel zu schön und zu beliebt, um sich mit so etwas profanem wie einkaufen abzugeben.

Die Alte war ja eh nur noch nervig, hatte etwas gegen das gute deutsche Liedgut, mit dem er sich wecken ließ - und alle Nachbarn. Dummtürken und Polen. Sowas war sowieso keine Nachbarschaft, sollten sich doch freuen endlich mal gute Musik zu hören.

Er ließ die Haustür hinter sich zuknallen, nahm kurz sein Basecap ab um sich über die Haare zu streicheln.

"Ich bin schöööön", quitschte er als hätte man ihm in die Eier getreten. Oder als hätte er keine. Eine ältere Frau sah ihn befremdet an, er packte sich die Mütze auf den Kopf und zischte: "Geh' weiter Judenfresse", laut genug, dass sie irgendetwas hörte, aber zu leise, um genau zu hören was er sagte.

Erst einmal musste er sich bei Freunden einen Kaffee schnorren und was zum Frühstücken, wobei, Frühstück hieße vielleicht, dass er etwas helfen sollte beim zubereiten. Also kein Frühstück.

Sicher hatte irgendein Strassenbahn- oder Busfahrer Kekse und Kaffee dabei.

Die Strassenbahn fuhr nicht weit entfernt. Mit sich, besonders mit sich und einem kleinen Teil der Welt zufrieden (dem Teil der ihn bediente, bewunderte oder sonstwie mochte), schlenderte er an der Hecke der Wohnsiedlung entlang. Bedachte dabei jeden den er sah mit Schimpfnamen, leise genug damit er von ja keinem eins auf die Fresse bekam, aber laut genug, dass jeder mitbekam, das er - das Recht und die Gerechtigkeit in Frankfurt da war. Er, MisterDee, ein wahrer Deutscher, ein Vorbild fürs Vaterland und grade alt genug um die ersten Schamhaare zu bekommen. Fürs Adolfbärtchen reichte es im Gesicht noch nicht ganz.

Er bedachte die Inderin, die ihm freundlich aus ihrem Kiosk zunickte mit einem bösen Blick.

"Blöde Kuh, verkauft Kaffee für 'nen Euro, ist doch im Lidl billiger", war seine Antwort auf den Blick. "Deutsche betrügen, Dreckspack."

Seit einigen Tagen war er im Internet, hatte sich von Freunden einige Seiten und "wichtige Tricks" zeigen lassen - eine prima Plattform um rumzupöbeln und Freunde heimlich zu beschatten.

Was waren die auch so blöd und sagten ihm ihre Homepage und Blog Adressen?

Dort konnte er jetzt vollkommen anonym Beleidigungen posten.

Dort sah ihn ja keiner - und seinen echten Namen musste er auch nicht angeben. Wer nicht das tat was er wollte, bekam es eben im Web zu spüren, dass man mit MrDee nicht spielte. Wer es wagte an ihm Kritik zu üben, war eh nur eine schwule Judenfresse oder ein dummer Ausländer.

Wo blieb eigentlich die dämliche Strassenbahn? Sicher ein neuer Drecksfahrer, sicher ein jüdischer Drecktürke, hatte sich sicher auf den Schienen verfahren.

MrDee begann über seinen Gedankenwitz zu lachen, andere Wartende sahen ihn befremdet an. Er hatte genug böse Worte und Blicke für alle.

Statt der Bahn fuhr ein Kastenwagen auf die Wendeschleife. Polnisches Kennzeichen.

Dreckspolen. Die hielten direkt neben ihm. Die verbeulte Ladetür glitt auf.

"Bitte einsteigen."

MrDee wollte grade protestieren, da piekste ihn etwas in den Hals, die Welt wurde Watte und er ließ sich in den Wagen schieben. Niemand der Wartenden, auch die Inderin im Kiosk vermochte sich zu merken was das genau für ein Wagen gewesen war. Endlich waren die Beleidigungen vorbei.

Strogg (34, Deutschniedrländerin), HerrinP (26 Isrealniederländerin), Chang (37 Deutschchinese) stiegen hinab in die Dunkelheit unter Frankfurt. B-Ebene Bahnhof, Versorgungsgänge der Läden, VGF Toiletten, tote Ratten, jahrzehntealter Staub. Unter der S-Bahn entlang, immer tiefer. Wasser, so hoch, das es ihnen fast in die kniehohen Reitstiefel lief.

"Leck' die Wand ab und du bekommst sicher grün leuchtenden Ausschlag", Chang, hinter ihnen. Während Strogg und HerrinP in ihren Schwarzen Stiefeln, den weiten Reithosen und den Mänteln, deren Saum im Wasser hinter ihnen herschwamm, aussahen als wären sie vor siebzig Jahren in eine Zeitmaschine gestiegen - das Ganze vervollständigt durch ihr mitgebrachtes modernes Waffenarsenal, sah Chang in seiner Ganzkörperlatexunifom - Kommunisten-Style, aus als wolle er zu Mister Christopher Street Day gekürt werden. Irgend so einen Preis hatte er auch schon mal abgesahnt, auf einer Erotikmesse. Strogg und HerrinP bedauerten es manchmal das er nur auf Männer stand. Er war niedlich. Zumindestens manchmal.

Sie verließen die stinkende Brühe durch einen Kriechgang.

Dahinter: Frisch gefliester Raum, Duschen, Kisten, einige offen: Munition, Minen, Natodrahtrollen. Spielzeug für Sex und Gewaltparty der durchgeknallten Art.

"Erst mal duschen", Stroggy streckte sich als sie endlich wieder aufrecht stehen konnte.

Sie hatten Zeit, ihr Gast konnte noch etwas warten.

Schwere Schritte auf Beton - Stiefel, gesetzt mit einer Leichtigkeit vom jahrelangen tragen. Sie waren gekommen um ihn zu befreien. MrDee roch seinen eigenen, eingetrockenten Urin.

Mit einem Zischen erwachte eine Phosphorfackel zum Leben und wurde in eine Ecke geworfen. Blendete ihn.

"Wollt ihr zum Karneval?", Nuschelte MrDee mit trockenem Mund.

"Wieso? Wir sind zwei echt deutsche Frauen, jedenfalls so deutsch wie du Halbpole. Woher ich stamme weisst du, HerrinP stammt aus Isreal, lebt in NL. Sklavenjunge Chang aus China, lebt am liebsten in Darkroms. Er ist ein hervorragender Musiker."

Stroggy machte HerrinP ein Zeichen und überzeugte MrDee mit einer kurzen Demonstration ihres Tasers sitzen zu bleiben. HerrinP riss ihm einen Klebebandrest vom Gesicht,

"Wie es scheint hat unser Abholservice die kosmetische Behandlung vergessen", Zucker in der Stimme, Stahl in den Augen.

"Autsch meine Augenbrauen", fluchte er. "Meine schönen Augenbrauen...", das mit der jüdischen Hure schluckte er sicherheitshalber herunter.

Jetzt sah er auch warum man ihn nicht geknebelt hatte. Grün flackernd enthüllte die Fackel den Raum, der aussah wie ein aufgelassener Tunnel. Kein Wunder, dass er sich hatte heiser schreien können.

Die Hand locker auf die am Schultergurt getragene Waffe gelegt sah sich Stroggy um.

"U-Bahn Tunnel", krächzte MrDee. Vollgestellt war der zugemauerte Tunnel mit allerlei Dingen unter olivgrünen Tüchern.

"Ihr könnt mich jetzt gehen lassen, das ist NICHT witzig", er stand auf und ging die zwei Schritte die ihm die Kette ließ.

Strogg drehte sich um die eigene Achse, ignorierte den Menschen, den sie bis vor kurzem noch zu ihren Freunden gezählt hatte. Auch wenn er die halbe Welt verachtete, hatte sie ihn doch irgendwie gemocht.

Jetzt wollte er unbedingt, das sie den Scheiss ließen, aber das hatte Zeit. Trotzdem verpasste sie seinem nervigen Mund einen Streifen Klebeband.

"Da ich weiss, dass du dich für einen großen Dichter hälst Dee, habe ich dir ein kleines Liedchen geschrieben." Sie entzündete eine orange Fackel und warf sie in den Seitengang aus dem sie gekommen war.

"Das ist Chang, Liebhaber gut gebauter Männer und ein toller Klavierspieler. Würdest Du bitte Chang? Unser Gast liebt Musik."

Chang verneigte sic.h

"Ihn dürftest du aus dem Web kennen, er hat einige Posts in mein Blog gesetzt - zum schwulen Leben in Frankfurt. Er fand deine Kommentare dazu sehr lustig. Meine Partnerin ist HerrinP, die hat Dich auf Wikipedia mit Fragen zur jüdischen Kultur geködert und mich meintest du ja grundlos beleidigen zu müssen. Chang? Kann losgehen Süsser."

Der Chinese ließ die Finger über die Tasten gleiten und legte dann mit einer langsamen, Rap-artigen Melodie los. Stroggy nahm einen Zug von HerrinPs Zigarre, hustete sich dann die Lungen frei und begann zu singen.

"Ich brauche Deine Augen und Ohren - nicht Deinen Mund, Du musst nicht reden, du verlogener Hund."

Aus den Schatten des Tunnels traten einige Zuhörer. Der Typ aus dem Kleinwagen, irgendeine Afrikanerin und der fette Idiot mit dem er Strogg letztens gesehen hatte. Aber MrDee fielen in seiner Situation keine weiteren Beleidigungen ein.

Strogg zog ein Tuch von einem Bottich, der von innen blau beleuchtet war. Vier Kubikmeter angetautes Eis waren bis zum Rand hineingefüllt. Strogg grinste.

"Ich könnt' dich in diesem Eisbecken ertränken - gibt Dir das zu denken?"

Dee nuschelte etwas unter dem Klebeband, aber sie beachtete ihn gar nicht. Sie war zu weich um ihm wirklich etwas zu tun, jahrelang hatte er sie und ihren Mann als süßer kleiner Bub um den Finger gewickelt, so wie seine dumme Mutter.

Sie zündete eine weitere Fackel und warf sie in einen halb eingestürzten Gang.

"Oder dich hier einmauern - wo die Würmer auf dich lauern."

Stroggy zog ein Beil unter einem der Tücher hervor und fuhr mit dem behandschuhten Finger über die Schneide.

"Wie wär's mit einer Axt zum Köpfe spalten? - Könntest Du dabei deine Hose sauber halten?"

Sie schielte auf den eingetrockneten gelben Fleck, der nun wieder feucht wurde.

"Hmmm hmmmm..." war alles was MrDee zuwege brachte,

"Du denkst ich bin total irre? - Das macht mich nicht kirre."

Sie warf die Axt HerrinP zu die sie auffing, um dann über die Schneide zu lecken. .

"Du hast mich betrogen, - hast unsre Freunde betrogen."

Tadelnd hob Strogg einen Finger.

"Sind das unsere Gepflogenheiten? Freundschaften durch Betrug ausweiten?

Sie riss ein weiteres Tuch weg.

"Ich könnte dich auf dieser Bank strecken - bis du tust verrecken."

MrDee begann zu lachen, ob aus seiner üblichen Art heraus nichts, aber auch gar nichts ernst zu nehmen, oder aus Angst, war Stroggy egal.

"Du glaubtest du könntest Hass im Internet streuen, Dich am Leid anderer freuen."

Stroggy entfernte eine Plane von einem Projektor und einem Laptop, warf MrDees Posts und Flames an eine weiss-gestrichene Wand.

"Trammpelst online alles nieder, denkst Dich findet man nie wieder."

Sie rief seine IP auf, ordnete die Posts zeitlich, deutete mit einem Laserpointer auf seinen Web-Anbieter und den offen ins Netz gesendeten Namen seines Laptops.

"Ich bin im Web seit Neunzehn-Neunzig, da reichte es grade für deinen Erzeugungsfick. Wer mich will im Web anscheissen, den werden die Main-Fische beißen. Meinst du kannst mir online nachlaufen, musst Dir erst mal einen VHS Kurs für Web-Noobs kaufen. Ich werde dich online vernichten, HerrinP und Chang werdens dann offline richten. Du kannst jetzt gleich gehen, aber dein Name wird überall stehen. Als dummer Mensch voller Hass, hoffe du hast ganz alleine ohne Freunde Spass."

Irgendjemand zog ihm etwas von hinten über den Kopf.

"Geb' ihm eine volle Dröhnung Medis - dann wird er sich nicht ganz klar an das was passiert ist erinnern. Glauben wird ihm das hier eh keiner. Dieser kleinen Wurst." Strogg schenkte dem Captain ein Lächeln. Weder bei der Armee noch geübt mit dem Kantholz tätschelte Captain den Kopf des Bewusstlosen.

"Hat ganz schön gerummst."

"Können nur hoffen, dass er beim aufwachen klarer sieht", Chang half dabei MisterDee in eine Plane zu wickeln.

Mister Dee erwachte im Grüneburgpark.

"Was?" Er lag auf einer Bank, neben ihm ein einlamierter Ausdruck.

"Die Vereinigung der Dichter, Denker und Lenker hofft du konntest etwas lernen - sonst müssen wir Dich bald aus dieser Welt entfernen."

Mit schmerzendem Kopf machte sich MrDee auf den Heimweg. Nackt - quer durch Frankfurt.

ENDE

Diese Geschichte ist Fiktion. Oder was dachtest Du? Ich hoffe manche Fiktionen müssen nicht wahr werden.

Grüße an C. P. Ca. und den Rest der irren Alten im Internet.

__________________
Schildkröten wären wahrscheinlich viel schneller, wenn sie wüssten, dass sie einen cw-Wert von 0,3 haben.

17.09.2010 16:24 Jaddi ist offline Email an Jaddi senden Beiträge von Jaddi suchen Nehmen Sie Jaddi in Ihre Freundesliste auf
 
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